Fitness

Rudergerät oder Heimtrainer? Rudern und Radfahren im Wohnzimmer im Vergleich

Rudergerät und Heimtrainer sind die beiden Geräte, die am häufigsten im Wohnzimmer stehen. Beide sind Sitzgeräte, beide brauchen keinen Auslauf, beide funktionieren bei jedem Wetter. Und trotzdem entstehen zwei völlig verschiedene Trainingsalltage daraus: Auf dem einen bewegst du den ganzen Körper und brauchst deine Aufmerksamkeit dafür, auf dem anderen treten die Beine und der Rest ist frei. Dieser Vergleich geht der Reihe nach durch, was das praktisch bedeutet.

Sitzen ist nicht gleich sitzen

Auf dem Heimtrainer sitzt du auf einem Sattel, die Hände liegen ruhig am Lenker, der Oberkörper bleibt aufrecht und bewegt sich kaum. Dein Rumpf hält dich stabil, muss aber nichts weitertransportieren. Die Sitzposition bleibt von der ersten bis zur letzten Minute dieselbe.

Auf dem Rudergerät sitzt du auf einem Rollsitz, der bei jedem Zug ein Stück nach hinten und wieder nach vorn fährt. Dein Oberkörperwinkel ändert sich dabei ständig, die Arme bewegen sich, die Knie öffnen und schließen. Du sitzt also nicht, du bewegst dich sitzend. Das ist der Ausgangspunkt für fast alle Unterschiede, die danach kommen.

Was beim Rudern arbeitet

Der Zug beginnt in den Beinen: Oberschenkel und Gesäß drücken dich vom Fußbrett weg. Der Rumpf gibt diese Kraft weiter und muss dafür stabil bleiben, also arbeiten Bauch- und Rückenmuskulatur dauerhaft mit. Zum Schluss ziehen Arme, Schultern und der obere Rücken den Griff zum Körper, und auf dem Rückweg führen sie ihn kontrolliert wieder nach vorn.

In Summe ist an einem einzigen Zug fast der gesamte Körper beteiligt. Das ist der Grund, warum Rudern oft anstrengender wirkt, als es die Dauer vermuten lässt: Es arbeiten schlicht mehr Muskelgruppen gleichzeitig.

Was beim Radfahren arbeitet

Auf dem Heimtrainer liegt die Arbeit bei den Beinen, vor allem bei Oberschenkeln, Gesäß und Waden. Der Bewegungsumfang ist klein und wiederholt sich gleichförmig. Der Oberkörper stabilisiert, arbeitet aber nicht aktiv mit; Arme und Schultern sind praktisch unbeteiligt.

Das klingt nach weniger, ist aber kein Nachteil, sondern ein anderes Profil. Weil nur ein Teil des Körpers arbeitet, kannst du länger in einem gleichmäßigen Bereich bleiben, ohne dass der Oberkörper vorzeitig müde wird. Lange, ruhige Einheiten sind hier deutlich leichter durchzuhalten.

Multitasking: das vielleicht wichtigste Kriterium

Hier gehen die beiden am weitesten auseinander, und für viele entscheidet genau dieser Punkt.

Auf dem Heimtrainer ist dein Kopf ruhig, dein Blick stabil, die Hände sind frei. Du kannst eine Serie schauen, ein Hörbuch hören, lesen, in Ruhe telefonieren oder auf einem Ständer etwas ablegen. Wenn das Training für dich sonst nicht stattfinden würde, ist das ein echtes Argument.

Auf dem Rudergerät funktioniert das nur eingeschränkt. Dein Oberkörper kippt vor und zurück, der Blick wandert mit, beide Hände sind am Griff. Ein Hörbuch oder Musik geht problemlos, ein Film läuft eher nebenher, und Lesen ist praktisch ausgeschlossen. Dazu kommt, dass Rudern deine Aufmerksamkeit braucht: Sobald du gedanklich abschweifst, wird die Bewegung schnell unsauber.

Wie schnell du dich in die Bewegung findest

Radfahren kennst du. Aufsteigen, treten, fertig. Die Einstellung, die wirklich zählt, ist die Sattelhöhe, und die hast du in einer Minute gefunden.

Rudern musst du dir aneignen. Die Reihenfolge Beine, Rumpf, Arme und zurück in umgekehrter Folge stellt sich nicht von allein ein. Typisch ist, dass die Arme zu früh anziehen oder der Rückweg gehetzt wird. Das ist kein Grund, das Gerät zu meiden, du solltest es beim Einstieg nur einplanen: erst die Bewegung sauber machen, dann intensiver werden.

Der Ausgleich dafür: Beim Rudern gibt es über Monate etwas zu verbessern. Auf dem Heimtrainer wird die Bewegung nicht besser, nur die Form.

Stellfläche und Bewegungsradius

Ein Heimtrainer ist kompakt und steht auf einer klar begrenzten Fläche. Was er zusätzlich braucht, ist wenig: etwas Raum zum Auf- und Absteigen und Luft um dich herum. In eine Zimmerecke passt er fast immer.

Ein Rudergerät ist deutlich länger. Es braucht eine freie Strecke in Längsrichtung plus etwas Raum hinter dir für den Griff. Dafür ist es flach, stört also weder unter einer Dachschräge noch in einem niedrigen Raum. Viele Modelle lassen sich hochkant stellen oder klappen und dann an die Wand schieben, was die Bilanz in kleinen Wohnungen wieder ausgleicht.

Praktisch heißt das: Wenn du einen dauerhaften Stellplatz hast, ist der Heimtrainer unkomplizierter. Wenn das Gerät nach jeder Einheit verschwinden muss, ist das Rudergerät oft das flexiblere.

Geräusche im Mehrfamilienhaus

Der Heimtrainer ist meist das leisere Gerät, besonders mit magnetischem Widerstand. Es entsteht ein gleichmäßiges, leises Laufgeräusch ohne Spitzen, und weil du dein Gewicht nicht verlagerst, kommt unten wenig an.

Beim Rudern gibt es zwei Quellen: das Widerstandssystem und die Mechanik. Luftwiderstand rauscht hörbar und wird mit dem Tempo lauter, Wasser klingt gleichmäßiger, magnetische Systeme sind am leisesten. Dazu kommt der Rollsitz, der bei jedem Zug über die Schiene fährt, und der Griff, der zurückläuft. Gerade auf Holzdielen überträgt sich das als Körperschall nach unten.

Eine feste Matte unter dem Gerät hilft in beiden Fällen spürbar. Wer Nachbarn unter sich hat, fährt mit ruhigen, kontrollierten Bewegungen besser als mit hektischen.

Welches Gerät zu welchem Ziel passt

Wenn du in begrenzter Zeit möglichst viel Körper einbinden willst, spricht das für das Rudergerät. Beine, Rumpf und Oberkörper arbeiten zusammen, eine kurze Einheit fühlt sich entsprechend vollständig an.

Wenn du vor allem regelmäßig und lange in Bewegung sein willst, ohne dass es dich mental fordert, spricht das für den Heimtrainer. Er ist das Gerät, das am leichtesten in einen vollen Alltag rutscht, weil du ihn nebenbei nutzen kannst.

Wenn dir Abwechslung wichtig ist und du gern an einer Bewegung arbeitest, wird dir das Rudergerät länger Spaß machen. Wenn du Training eher als Hintergrundbeschäftigung verstehst, wird dich das Rudergerät eher nerven.

Und ganz praktisch: Das beste Gerät ist das, das du tatsächlich benutzt. Ein Heimtrainer, auf dem du dreimal pro Woche sitzt, schlägt jedes Rudergerät, das im Flur steht.

Wenn du dich nicht entscheiden kannst

Es spricht nichts dagegen, beides zu nutzen, wenn du die Möglichkeit hast. Viele kombinieren so, dass das Rad die langen, ruhigen Einheiten übernimmt und das Rudergerät die kürzeren, in denen der Oberkörper mit dabei sein soll.

Wenn nur Platz oder Budget für ein Gerät da ist, hilft eine ehrliche Frage: Wann genau würdest du trainieren, und was würdest du dabei tun wollen? Wer sagt „abends, während im Hintergrund eine Serie läuft“, hat die Antwort meist schon gegeben. Wer sagt „morgens, zwanzig Minuten, dann duschen“, ebenso.

Weiter in dieser Reihe: Wir zeigen, wie sich Rudergerät und Crosstrainer unterscheiden, und erklären, wie Rudern und Schwimmen sich ergänzen. Den Einstieg bietet unser Vergleich Rudergerät oder Laufband.

Häufig gestellte Fragen

Trainiert Rudern mehr Muskeln als Radfahren?

Ja. Beim Rudern arbeiten Beine, Rumpf, Rücken und Arme in einer gemeinsamen Bewegung zusammen. Auf dem Heimtrainer liegt die Arbeit fast vollständig bei der Beinmuskulatur, der Oberkörper stabilisiert nur.

Kann ich auf dem Rudergerät nebenbei fernsehen?

Nur eingeschränkt. Oberkörper und Blick bewegen sich bei jedem Zug, beide Hände sind am Griff. Musik oder ein Hörbuch funktionieren gut, ein Bildschirm deutlich schlechter. Auf dem Heimtrainer ist beides problemlos möglich.

Welches Gerät ist für den Einstieg einfacher?

Der Heimtrainer. Die Bewegung kennst du, außer der Sattelhöhe gibt es nichts einzustellen. Beim Rudern musst du die Reihenfolge von Beinen, Rumpf und Armen erst lernen.

Welches Gerät passt besser in eine kleine Wohnung?

Der Heimtrainer braucht weniger Grundfläche, das Rudergerät braucht Länge, ist dafür flach und oft klapp- oder aufstellbar. Wenn das Gerät nach dem Training verschwinden soll, ist das Rudergerät häufig praktischer.

Ist ein Heimtrainer leiser als ein Rudergerät?

In der Regel ja. Beim Rudern kommen zum Widerstandssystem noch Rollsitz und Griff als Geräuschquellen hinzu, und dein Gewicht verlagert sich bei jedem Zug. Eine feste Matte darunter reduziert die Übertragung in den Boden bei beiden Geräten.

Lohnt es sich, beide Geräte zu haben?

Wenn Platz da ist, ja. Das Rad eignet sich für lange, ruhige Einheiten, das Rudergerät für kürzere mit Beteiligung des Oberkörpers. Notwendig ist die Kombination aber nicht, beide funktionieren auch allein.