Fitness

Rudergerät oder Schwimmen? Zwei gelenkschonende Ganzkörper-Sportarten im Vergleich

Rudern und Schwimmen werden fast immer mit denselben Worten beschrieben: Ganzkörper, ohne Aufprall, gut für Ausdauer. Diese Beschreibung stimmt für beide, sie verdeckt aber, wie unterschiedlich sich die zwei im Alltag anfühlen. Die eine Bewegung findet auf zwei Quadratmetern im eigenen Zimmer statt, die andere braucht Wasser, eine Anfahrt und eine Umkleide. Dieser Vergleich stellt beide nebeneinander: Muskelgruppen, Technik, Zugang, Jahreszeit und die Frage, wie man sie sinnvoll kombiniert.

Was beide gemeinsam haben

In beiden Sportarten gibt es keinen Moment, in dem dein Körpergewicht hart abgefangen werden muss. Beim Rudern bleiben die Füße am Fußbrett, beim Schwimmen trägt dich das Wasser. Es entstehen also keine wiederholten Stoßbelastungen wie beim Laufen oder Springen.

Beide arbeiten außerdem zyklisch: eine Bewegung wird über viele Minuten wiederholt, mit einer Phase des Krafteinsatzes und einer Phase der Rückführung. Und in beiden ist der Oberkörper ernsthaft beteiligt, nicht nur zur Stabilisierung. Das unterscheidet sie von den meisten anderen Ausdauerformen.

Was beim Rudern passiert

Der Ruderzug beginnt in den Beinen. Oberschenkel und Gesäß drücken dich vom Fußbrett weg, der Rumpf öffnet sich aus der Hüfte, zuletzt ziehen Arme, Schultern und oberer Rücken den Griff zum Körper. Zurück geht es in umgekehrter Reihenfolge.

Der größte Kraftanteil kommt aus den Beinen, auch wenn die Arme das Gefühl bestimmen. Dazwischen liegt eine kurze Phase ohne Krafteinsatz, in der du nur nach vorn rollst. Rudern hat dadurch einen deutlich spürbaren Rhythmus aus Anstrengung und Erholung.

Was beim Schwimmen passiert

Im Wasser ist der Antrieb umgekehrt verteilt. Beim Kraulen und beim Rückenschwimmen kommt der Vortrieb überwiegend aus Armen und Schultern, die Beine sorgen vor allem für Lage und Stabilität. Beim Brustschwimmen tragen die Beine deutlich mehr bei, beim Delfinschwimmen arbeiten Rumpf und Hüfte besonders stark.

Dazu kommt eine Aufgabe, die es beim Rudern nicht gibt: Du musst deine Körperlage im Wasser halten und atmen, ohne den Rhythmus zu verlieren. Ein großer Teil der Anstrengung beim Schwimmen steckt nicht im Antrieb, sondern darin, flach und ruhig im Wasser zu liegen.

Muskelgruppen im direkten Vergleich

Beim Rudern liegt der Schwerpunkt unten: Oberschenkel und Gesäß liefern den Antrieb, die Rumpfmuskulatur überträgt, Rücken und Arme schließen die Bewegung ab. Der Zug arbeitet gegen einen festen Widerstand, das heißt, es gibt in jedem Zug einen klaren Kraftmoment.

Beim Schwimmen liegt der Schwerpunkt oben: Schultern, Brust, oberer Rücken und Arme leisten den Hauptteil, dazu die Rumpfmuskulatur für Lage und Rotation. Die Beine arbeiten je nach Schwimmart unterschiedlich stark mit. Der Widerstand ist dabei kein fester Punkt, sondern das Wasser selbst, das sich mit jedem Tempo verändert.

Für die Schultern bedeutet das zwei unterschiedliche Anforderungen: Beim Rudern ziehen sie gegen einen definierten Widerstand, beim Schwimmen bewegen sie sich über viele Wiederholungen durch einen großen Bewegungsumfang über Kopf. Beides will schrittweise aufgebaut und nicht von null auf lange Einheiten gesteigert werden.

Technik lernen: Reihenfolge gegen Wasserlage

Beim Rudern lernst du eine Reihenfolge. Beine, Rumpf, Arme und zurück in umgekehrter Folge, dazu ein gerader Rücken und ein Rückweg, der länger dauert als der Zug. Das ist überschaubar und du siehst dich dabei: Der Ablauf lässt sich beobachten, beschreiben und korrigieren, und du stehst nach wenigen Wochen auf einem brauchbaren Niveau.

Beim Schwimmen lernst du ein Gefühl. Wasserlage, Atemrhythmus, Rotation um die Längsachse und ein Armzug, der sich am Wasser abstützt statt durchzurutschen. Das dauert erfahrungsgemäß länger, weil du dich nicht siehst, weil du nicht frei atmen kannst und weil kleine Fehler in der Lage sofort viel Tempo kosten. Wer als Erwachsener neu anfängt, kommt hier mit Anleitung deutlich schneller voran als allein.

Kurz gesagt: Rudern ist schneller brauchbar, Schwimmen bleibt länger interessant.

Zugang: Wohnzimmer gegen Schwimmbad

Das Rudergerät steht dort, wo du es aufstellst. Du brauchst keine Anfahrt, keine feste Zeit, keine Umkleide. Zwischen Entschluss und erster Bewegung liegen Sekunden. Der Preis dafür ist ein Gerät im Raum und eine gewisse Monotonie der Umgebung.

Schwimmen braucht ein Becken. Damit hängt dein Training an Öffnungszeiten, an Anfahrtsweg, an Bahnbelegung und daran, wie voll es gerade ist. Dazu kommt der Zeitaufwand drumherum: hin, umziehen, duschen, zurück. Eine Einheit im Wasser kostet dich im Alltag fast immer deutlich mehr Zeit als die reine Trainingszeit.

Dafür bekommst du etwas, das kein Gerät liefert: eine andere Umgebung, das Gefühl des Wassers und eine klare Trennung zwischen Alltag und Training. Für viele ist genau das der Grund, den Aufwand zu betreiben.

Jahreszeit und Verfügbarkeit

Das Rudergerät ist ganzjährig gleich verfügbar. Wetter, Dunkelheit und Temperatur spielen keine Rolle, und es gibt keine Saison, in der es nicht geht.

Beim Schwimmen kommt es darauf an, wo du schwimmst. Ein Hallenbad steht das ganze Jahr zur Verfügung, ist aber an Betriebszeiten gebunden und in den kalten Monaten oft voller. Freibäder und offene Gewässer sind saisonal und wetterabhängig, dafür in der warmen Jahreszeit sehr attraktiv. Wer im Sommer draußen schwimmt, braucht im Winter deshalb meist eine Alternative, und genau an dieser Stelle landen viele beim Rudergerät.

Der Aufwand drumherum

Beim Rudern ist die Ausstattung minimal: bequeme Kleidung, ein Handtuch, etwas zu trinken. Dazu kommt Pflege des Geräts, gelegentliches Nachziehen von Schrauben und ein sauberer Sitz auf der Schiene.

Beim Schwimmen gehören Badekleidung, Brille, oft eine Badekappe und eine Tasche dazu. Chlorwasser fordert Haut und Haare, und die Wege zwischen Umkleide, Dusche und Becken kosten Zeit. Nichts davon ist dramatisch, es summiert sich aber und entscheidet häufiger über die Regelmäßigkeit als die Sportart selbst.

Wie sich beide ergänzen

Viele nutzen beides, und das aus gutem Grund: Die Schwerpunkte sind fast spiegelbildlich. Rudern arbeitet von den Beinen her, Schwimmen von den Schultern. Rudern ist jederzeit verfügbar, Schwimmen bringt Abwechslung und ein anderes Bewegungsgefühl.

Eine verbreitete Aufteilung ist saisonal: im Sommer mehr Wasser, im Winter mehr Gerät. Eine andere ist nach Wochentag: das Gerät an Tagen mit wenig Zeit, das Becken an Tagen, an denen der Weg passt. Wer beides macht, sollte nur darauf achten, nicht gleichzeitig Schulter- und Rückenbelastung stark zu steigern, sondern in einer Sportart aufzubauen und in der anderen lockerer zu bleiben.

Was für welche Vorliebe spricht

Für das Rudergerät spricht, wenn du unabhängig von Zeiten und Wegen sein willst, wenn du gern siehst, wie eine Bewegung besser wird, und wenn du kurze Einheiten in den Tag schieben möchtest.

Für das Schwimmen spricht, wenn du das Wasser magst, wenn dir Abwechslung in der Umgebung wichtig ist, wenn du gern den Kopf freibekommst und wenn ein Bad auf deinem Weg liegt.

Beide Antworten sind gleich gültig. Entscheidend ist nicht, welche Sportart auf dem Papier mehr kann, sondern welche du in drei Monaten noch machst.

Weiter in dieser Reihe: Wir zeigen, wie sich Rudergerät und Crosstrainer unterscheiden, und erklären, was Rudergerät und Heimtrainer jeweils leisten. Den Einstieg bietet unser Vergleich Rudergerät oder Laufband.

Häufig gestellte Fragen

Trainieren Rudern und Schwimmen dieselben Muskeln?

Es gibt große Überschneidungen, aber unterschiedliche Schwerpunkte. Beim Rudern kommt der Antrieb überwiegend aus Beinen und Rumpf, Rücken und Arme schließen den Zug ab. Beim Schwimmen liegt der Hauptanteil bei Schultern, Armen und oberem Rücken.

Was ist leichter zu lernen?

Rudern. Du lernst eine überschaubare Reihenfolge und kannst dich dabei beobachten. Schwimmen erfordert zusätzlich Wasserlage und Atemrhythmus, was erfahrungsgemäß länger dauert und mit Anleitung deutlich schneller geht.

Ist Schwimmen gelenkschonender als Rudern?

Beide kommen ohne Aufprallbelastung aus. Im Wasser trägt dich zusätzlich der Auftrieb, beim Rudern bestimmst du selbst über Bewegungsumfang und Widerstand. Wie schonend es ausfällt, hängt in beiden Fällen stark von der Ausführung ab.

Kann ich Rudern und Schwimmen kombinieren?

Ja, die Schwerpunkte ergänzen sich gut. Sinnvoll ist, nicht in beiden Sportarten gleichzeitig deutlich mehr zu machen, sondern in einer aufzubauen und in der anderen lockerer zu bleiben.

Was ist praktischer im Alltag?

Das Rudergerät, weil Anfahrt, Öffnungszeiten und Umkleide entfallen. Schwimmen kostet über die reine Trainingszeit hinaus fast immer zusätzliche Zeit für Weg, Umziehen und Duschen.

Was mache ich im Winter, wenn ich sonst draußen schwimme?

Ein Hallenbad ist die naheliegende Lösung, ist aber an Betriebszeiten gebunden und in der kalten Jahreszeit oft stärker besucht. Ein Rudergerät ist hier die verbreitete Alternative, weil der Oberkörper weiter beteiligt bleibt.